Brasilien

Und das Abenteuer geht weiter …

 
 
 

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Video aus Gramado bei Bisa, Christian und Paula

 

23.09.2022

Nach dem Abenteuer Kolumbien folgt noch einmal São Paulo und der Versuch, Mr D an Großstädte heranzuführen, die bisher auf keine so große Gegenliebe stoßen, selbst nachdem ich schon in Dublin, Lissabon, London und Leipzig gewohnt habe. Wie und wo ich dort wohnte, muss ich an anderer Stelle mal erzählen.

Der Ausflug ins Einwanderungsmuseum war ja schon ein erster Meilenstein in der Überwindung meiner Mega-City-Phobie… 

Jedenfalls nimmt mich Lucas, nachdem wir bei seiner Tante deren Geburtstag ein wenig gefeiert haben, mit in die Avenida Paulista, einer kilometerlangen Prachtstraße und Partymeile, in der das “saopaulistische” Leben pulsiert. Gesäumt ist diese Allee von riesigen Büro-, Einkaufs-, und Verwaltungshochhäusern und Kneipen und Restaurants in den Seitenstraßen. Außerdem befindet sich dort das Museum für Moderne Kunst, entworfen von Oscar Niemeyer, was aber bei unserer Ankunft kurz vor dem Schließen war. Ein paar visuelle Eindrücke folgen hier an dieser Stelle, weitere verlinke ich euch wie gewohnt.

Hippie-Hund strotzt den Gesetzen der Physik
Mittelstreifen nur für Radfahrer

22.09.2022

Eigentlich wollte ich nach dem Anreisetag aus Kolumbien heute einen Faulen machen, aber lasse mich dann doch überreden, ins Stadtleben einzutauchen. Es geht zunächst in das relativ übersichtliche Zoologie-Museum, das zur Universität gehört (USP – University of São Paulo), in dem vor allem die Biodiversität des Landes gezeigt werden soll. 

Das Museum ist etwas verstaubt und zu klein, d.h. viele Bereiche sind gesperrt. Ich nutze das aber, um den Versuch zu starten, in das gerade erst wieder neu eröffnete Museu do Ipiranga (ebenfalls USP) zu gehen, einem fantastischen Gebäude mit wunderbarem Park und Zugang zum Nationaldenkmal der Unabhängigkeit. Anlässlich des 200. Jahrestages der Unabhängigkeit (von Portugal) wurde dieses Museum nach jahrelanger Restaurierung am 7./8.09. wiedereröffnet. Aufgrund der großen Nachfrage gab es keine Tickets mehr, die zuvor hättenelektronisch vorbestellt werden müssen. Der frühestmögliche Eintritt wäre erst am 27.09. gewesen. Ich gehe trotzdem auf die Mitarbeiter zu und erkläre, dass ich an diesem Tag schon wieder in Deutschland sein werde. es dauert nur wenige Minuten und ich habe mein Ticket (gratis) und kann mir das Museum zumindest im Überblick kurz anschauen.

05.-07.09.2022

Ewige Busfahrt von Guarapuava nach São Paulo, wo ich am Montag ankomme, um dann am Mittwoch weiterzufliegen. Entsprechend ist nur am 6.9.2022 ein kleiner aber schöner Ausflug ins Einwanderungsmuseum möglich, in dem zusätzlich noch eine Ausstellung zu japanischen Ningyō-Puppen gezeigt wird.

MUSEU DA IMIGRAÇÃO
Erstaufnahme im heutigen MI

Wunderschöne Graffitis schmücken die Straßenwand gegenüber dem Museum.

01.-04.09.2022

Abschied von den lieben Freunden, Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen und vor allem von meiner “brasilianischen Familie” in Entre Rios – IHR SEID die BESTEN!

Am 02.09.2022 ist ein jeder in Entre Rios eingeladen, um 10:30 Uhr im Centro Cultural de Entre Rios – Kulturzentrum (Vitória) – meinem Vortrag über die sieben Länder meiner Weltreise zu lauschen. Da es als Gespräch angekündigt ist, dürft ihr mir Löcher in den Bauch fragen…

Wer A (Afrika) sagt, muss auch B (Brasilien) sagen. lautet der Titel.

Wie geht es weiter? Am Sonntag fahre ich über Nacht nach São Paulo, von dort geht es am 07.09.2022 weiter nach Kolumbien (Bogotá). Am 21.09. bin ich dann wieder in Brasilien und fliege am 26.09.2022 wieder nach Deutschland, seufz seufz seufz …

Vortrag vom 2.9. kann hier angezeigt werden, allerdings sind die Videos zu Afrika beide auf Youtube und lassen sich hier nicht innerhalb der PowerPoint aufrufen, darum hier die Links, auch die anderen drei Videos sind alle verfügbar, aber in der PPT nicht darstellbar. 

Muamalaat, die Grundschule in Kombani, Kenia

Masai Mara, Natur pur – Krokodile, Löwen und und und

Ein Aprilscherz – auf dem Jakobsweg im Schnee – bitte in den Ordner INTERIM gleich unter der Landkarte

Traktorfest – bitte zum 31.07.2022 scrollen

Harald Keller und Colégio Imperatriz folgen auf der Unterseite Entre Rios (kleine Änderungen möchte ich noch tätigen)

 

29.-31.08.2022

Nach den Wanderungen suchte ich ein ruhiges Fleckchen Erde, wo die Seele etwas baumeln darf, wo die Erlebnisse der letzten drei Wochen Zeit haben sich zu setzen und der nicht zu weit vom brasilianischen Zuhause ist, wo ich am 2.9. einen Vortrag halten will und ganz Entre Rios eingeladen ist. Dort ist man sehr interessiert an der Reise, aber auch an den Eindrücken, die ich von Brasilien gewonnen habe und so wird der Vortrag “Wer A (Afrika) sagt, muss auch B (Brasilien) sagen und ich bin tatsächlich etwas aufgeregt.

Jetzt möchte ich aber unbedingt diesen wunderbaren Ort vorstellen, fernab von den wilden Metropolen und irgendwie ein magischer Ort, der Menschen anzieht, die das Kontemplative lieben und eine Atmosphäre suchen, in den Gedanken freier Lauf vergönnt ist. Darum kam ich ins Paradies (aus dem Jenaer Paradies):

Was braucht man so im Paradies? Blumen?

Rückzugsorte…

Eine Art Remise, gut für Wanderer, für Menschen, die sich hier treffen möchten… auch zum Feiern, Tanzen geeignet…
Pousada – SITIO Campina da Casa, Piraí do Sul

Oder brauchst du nette Menschen, die dich umgeben… zum Beispiel die Familie Sviech, die die Pousada betreibt oder die liebenswerten da Silvas, die nach dem Rechten schauen und immer für dich da sind? Es ist wahrscheinlich eine Kombination aus allen Faktoren. Die kleinsten Bewohner der Fazenda:

Nicolas
João Pedro

 Ist ja klar, dass sich ein Nikolaus gut mit Nicolas versteht… ein Kendama wird wohl hier in Piraí do Sul bleiben… 

Es fehlt auch nicht an Inspirationen und auch nicht an Wanderwegen – zum Beispiel im Floresta National oder direkt vor der Haustür, wo man auf den ländlichen Straßen zu einer nahgelegenen Kapelle laufen kann.

Menschen kommen und gehen, aber niemand kommt für umsonst.

Eindrücke aus dem Staatsforst (Floresta National) und weitere Bilder habe ich euch verlinkt. Wer noch Lust hat zu stöbern, ist HERZLICH WILLKOMMEN.

Ihr könnt euch auch bisschen auf Instagram umsehen:

@sitiocampinadacasa

26.-28.08.2022

Die nächsten drei Tage sind dem Canyon / Cânion Guartelá gewidmet, dem fünftgrößten der Welt…

Über 26 km streckt er sich von Castro bis Tibagi. Ich starte in Tibagí und erkunde den Canyon, verlieb mich ein wenig in ihn, sodass ich am Ende länger bleibe, um insgesamt drei Erkundungen an drei Tagen starten zu können.

Es ist ein Naturschauspiel, dass ich mir schwer erwandern muss. Der erste Tag und die erste Tour sind auf der vom Staate Paraná freigegebenen Route schnell abgelaufen, weil es keine wirkliche Infrastruktur für die schöneren und ausgiebigen Routen gibt. Diese sind dann auch allein nicht erlaubt und auch nicht empfehlenswert, weil es zu gefährlich wäre, sich zu verletzen und auf alle Fälle zu verlaufen. Darum habe ich an den zwei Folgetagen Alison an meiner Seite, der offizieller Wanderführer ist und sich extrem gut auskennt. Im absoluten Gestrüpp und Urwald findet er bezaubernde Orte und auch immer wieder heraus… es ist unglaublich. Er kennt so viele Aussichtspunkte und jeder bietet wieder einen neuen Winkel, eine völlig neue Perspektive. Im Grunde bekomme ich meinen Mund vor Staunen nicht mehr zu… Es beginnt oft seicht und mild im Ab-oder Anstieg und wird dann teilweise zum Klettern, ob rauf oder runter. Insgesamt bleibt es sicher, aber mit sehr viel Vorsicht und Rücksicht…

Vegetation – schier unermesslich in ihrer Vielfalt

Bäume und Sträucher aller Art, von Kiefern, Eukalyptus, Araukarien, Palmen, Farnen… schier grenzenlos die Vielfalt bis hinauf zu kargem Wuchs zwischen den Felsen.

Völlig unsichtbar von außen ergeben sich plötzlich Eingänge in Schluchten, in denen das Klima von heiß auf angenehm kühl wechselt.

Alison hat für jede Felsenformation und jeden Aussichtspunkt einen neuen Namen. Das macht auch Spaß. Vom verrückten Stein, zum Kamel, zum Ausblick der vielen Kurven usw…

Es ist wohl das Beste, sich in der Galerie “Guartelá” einen Gesamtüberblick zu verschaffen oder diesem Link zu folgen.

Dann werdet ihr verstehen, warum ich an diesem Ort gerne noch eine Woche geblieben wäre.

Ein Highlight versuche ich euch aber noch zu zeigen: Die Wasserkessel, die zum Baden einladen oder doch eher nicht? Ein “Schwarzes Loch”, eine Badewanne, ein Badezuber oder Hexenkessel???

Habe sie getestet… bin nicht versunken 🙂

Mal schauen, vielleicht doch VERSCHWUNDEN ???

24. und 25.08.2022

Beide Tage sind im Grunde der Rückreise nach Paraná gewidmet. Am 24. gibt es nichts Nennenswertes, am 25.08. mache ich im Staate Paraná noch Halt in einer Kolonie, die Witmarsum heißt und vorrangig von Mennoniten aufgebaut wurde, die diese Kolonie fast wie Entre Rios im Jahre 1952 gründeten und folglich in diesem Jahr ihr 70jähriges Bestehen feiern. Das Heimatmuseum ist noch nicht wieder eröffnet, es soll restauriert werden. Dennoch gibt es neben Apfelstrudel allerlei Deutsches und ich finde heraus, dass sie hier vor allem Plattdeutsch sprechen, was ich natürlich witzig finde mit meinen Jahren im Lande der Boßler in Ostfriesland. Der Gründer der Mennoniten stammt aus dem friesischen Witmarsum und kurioserweise gibt es nicht nur in Paraná einen solchen Ort, sondern auch in Santa Caterina, die bereits 1924 gegründet wurde.

Hier ein paar Bilder von der paranesischen Variante des Ortes:

Restaurant Bela Vista, mit Apfelstrudel und Schnitzel auf der Karte…
Witzige Kombi … so in D noch nicht gesehen …

Abends komme ich dann am (fast) Ziel an – ich übernachte für zwei Nächte in Tibagi. Witmarsum habe ich euch hier verlinkt.

23.08.2022

Dieser Tag hat noch einmal meine Erwartungen an einen Strandabstecher übertroffen, denn was ich heute sah, war Wüste, Berge, Strand, Fluss und Dünenlandschaft alles in einem… Wunderbare Ausblicke, Dünen-und Strandspaziergänge und zwei Flussüberquerungen mit einer Fähre und den Besuch des Leuchtturms und Klosters auf dem Klosterberg. Der Fluss Araranguá windet sich aus den Bergen hin zum Meer und bildet an der Mündung eine Lagune, die weiterhin eine einzigartige Dünenlandschaft gebildet hat, über der der Klosterberg erhaben auf die Wüstenlandschaft schaut…

Seht selbst – ein wunderschöner Ort und zu dieser Zeit fast menschenleer …

Links der Fluss, rechts der Atlantik, vor mir die Dünen und ich stehe auf dem Klosterberg neben dem Leuchtturm 🙂
Breitbild als Kleinbild
Zur blauen Stunde kehre ich noch einmal an den Ort zurück…

Klosterberg – Morro dos Conventos – ihr werdet hier noch tolle Eindrücke finden. Einfach klicken oder über WEITERE BILDER

21. und 22.08.2022

Ja, und genau so ist das… ich bleibe für drei Nächte 

Es heißt, das Meer genießen, dieses Rauschen und die wunderbare Ruhe des Ortes, der mich an Marinhas/ Portugal erinnert und dazu eine super nette Gastgeberin.

Morgenstimmung

Die Tage vergehen am Strand… es beruhigt und ich vergesse, welcher Tag ist… wie viele noch bleiben… es ist egal 🙂

Doch es gibt noch ein paar wenige Strandläufer … 

Er zog einen großen Plastiksack hinter sich her
… huh – viel zu kalt

Neymar beim Angeln

Und so beschließe ich zu bleiben 🙂 – wer noch Strandfotos sehen mag, hier klicken.

20.08.2022

Wir sind ein so gutes Team, dass wir an diesem Tag gemeinsam zu den Wasserfällen (Cachoeiras dos Rodrigues) aufbrechen. Wieder meint es das Wetter gut mit uns. Klar, es ist frisch, aber nicht eiskalt und die Sonne scheint. Diese Tour mit meinen beiden netten Begleitern ist wieder so traumhaft. Beide meinten wir unabhängig, dass wohl die Präsenz des/der anderen dafür verantwortlich sei, dass wir solche wunderschönen Eindrücke haben durften.

… schon der Weg dahin war wunderschön
Cachoeirão dos Rodrigues

Den Flusslauf entlang zählen wir allein vier Wasserfälle, aber der Wanderweg reißt irgendwann ab und wir kehren zurück. Auf diesem Bild sieht man allein drei, einen anderen zeige ich dann auf dem übernächsten Foto.

Weiter geht es dann getrennter Wege. Katiucia und Thiago reisen Richtung Bom Jardim da Serra & São Joaquim, während ich an die Küste fahre. Es heißt, dass ich auf der gefährlichsten Serpentinenabfahrt wieder auf Seelevel rollen werde. Die Straße ist bis 16 Uhr wegen Bauarbeiten gesperrt. Ich muss also dann sehen, dass ich flink nach unten komme. Teilweise ist das Wort Straße übertrieben, denn es ist ein extremer Geröllpfad, der sich ins Tal windet und ich hoffe die meiste Zeit, dass mir bloß nichts entgegen kommt. Einige Abschnitte durch die Serra da Rocinha sind bereits ausgebaut und in sehr gutem Zustand, andere sind in der Tat der absolute Wahnsinn. 

Doch ich schaffe es, gegen 18 Uhr in Arroio do Silva zu sein und ziehe in meinen Container mit Aufbau/ Anbau ein. Der Ort, die Gastgeber, die Ruhe, die Luft und das Meer sind einfach herrlich. 

Unten ein Tiny House und oben die Schlafräume

Es ist wunderschön, überhaupt nicht kalt und ich habe sofort das Gefühl, dass ich hier nicht nur für eine Nacht bleiben möchte. Ich blicke direkt auf den Atlantik, wo morgens die Sonne aufgehen wird. Ein Traum!

Für Bilder vom Wasserfall, bitte hier klicken.

19.08.2022

Hurra – ich lebe noch und Katiucia und Thiago hatten eine Wollmütze und Handschuhe zu verleihen – wir brechen auf zu einem atemberaubenden Naturspektakel und dem höchsten Berg des Bundesstaates, gleichzeitig dem wohl allerkältesten Punkt in der schon genannten Region.

Da steht es noch einmal … hoch und kalt auf 1403 m

Doch wir haben unheimliches Glück und sind so erfreut, dass uns ein strahlend blauer Himmel begleitet und wir kaum Menschen antreffen an diesem wunderbaren Ort – Gebirgsschluchten, Tafelberge, Wasserfälle – der Monte Negro.

Es war sehr schön, die Freude zu teilen und die Erhabenheit der Natur gemeinsam zu bewundern. Katiucia war so gerührt, dass ihr die Tränen kamen. 

Ich
lasse
euch
mit mir
staunen!

In dieser zweiten Nacht in der Leopardenhöhle (Toca da Onça) wurden es minus 3 Grad und ich ließ die Nacht die Wollmütze auf und die Handschuhe und Socken an. Morgens war die Wasserleitung gefroren und die Dusche ging nicht mehr, die einzige Wärmequelle, wenngleich nur für die Dauer einer Dusche …

Allerdings hatte uns dieser sonnige Tag mit der Gegend versöhnt, sogar mit der Kälte, die sofort einsetzt, wenn die Sonne gegen 18 Uhr verschwindet. Traumhafte Aus-und Weitsichten waren von dem Berg hinter unserer Herberge zu erhaschen.

Zeit zum Innehalten
Mein Lieblingsort 🙂

Bilder von den Schluchten und der Umgebung sind auch wieder unter WEITERE BILDER zu finden (Sāo José dos Ausentes für Umgebung und Cânions Monte Negro für die Schluchten und den höchsten Berg von RS.

18.08.2022

Ein Regentag zum Im-Bett-Bleiben, den ich wieder in Gramado bei Bisa, Chris und Paula verbrachte, zumindest bis zum Mittag. Spontan haben wir einen kleinen Sketch aufgenommen, weil Bisa gerne schauspielert. Weiter ging es dann an den kältesten Ort in ganz Brasilien… warum wollte ich ausgerechnet dorthin? Naja, hoch gelegene Orte haben natürlich ihren Charm, aber auch ihre Temperaturen… die Anreise war entsprechend trist an so einem nassen Tag, an dem sich die Temperaturen in den Bergen an die Null Grad näherten und jeder mit Schnee rechnete. São José dos Ausentes liegt auf etwa 1200 m Höhe und ist der nördlichste Ort des Bundesstaates Rio Grande do Sul im Gebirge – Campos de Cima da Serra. Unweit davon in einem versteckten Tal befindet sich die Toca da Onça – ein Hostel romantisch, hippieangehaucht und weit weit entfernt von jeglicher Zivilisation, heizungslos bei nunmehr schon Minusgraden…

Die Höhle des Leoparden

Um einigermaßen schlafen zu können, brauche ich fünf Decken und hab trotzdem das Gefühl, dass ich morgens erfroren sein werde… 

Meine Sinne schwinden 🙂

Die Anfahrt war extrem – in jeglichem Sinne, denn schon bald endete die Asphaltstraße und es ging durch unbefestigte Feldwege immer tiefer ins Gebirge. Das Weiß des Leihwagens schwand dahin und ich bin mir lange nicht sicher, ob ich nicht in einem der riesigen Schlaglöcher verschwinden und erfrieren werde.

Doch ungefähr 10 Minuten bevor es stockdunkel wurde, rutsche ich auf den Hof des Hostels und habe keine andere Chance als zu bleiben, denn ich käme hier nachts nie mehr weg. Allerdings werde ich entschädigt, denn ich lerne ein super nettes Paar aus dem Staat São Paulo kennen und wir versuchen uns mit heißem Kaffee warme Gedanken zu machen und beschließen, am nächsten Tag gemeinsam zum Cânion Monte Negro (1403 m) aufzubrechen. Beide sind Fotografen und so haben wir viel zu erzählen, auszutauschen und freunden uns an. 

Katiucia und Tiago oberhalb unserer Herberge

17.08.2022

Im Hunsrückschen Zentrum der deutschsprachigen Einwanderer befindet sich eine bilinguale Schule, die ziemlich einmalig ist. Vom Kindergarten bis zum Hochschulabschluss ist am Instituto Ivoti alles möglich. Ich hatte die Gelegenheit, am 16.08. die Schule und am 17. die Schulleitung kennenzulernen. Schön wäre eine Zusammenarbeit in irgendeiner Form. Darüber haben wir uns lange unterhalten und prüfen nun auf beiden Seiten die Chancen.

Ivoti hat noch eine sehr lebendige Tradition der deutschen Einwanderer, vor allem aus dem Hunsrück, bewahrt und ich konnte mit einigen Menschen Deutsch sprechen, selbst wenn es ein Deutsch ist, was sehr stark dialektal gefärbt ist.

Noch heute kann man am Teufelsloch die Fachwerkhäuser bestaunen und es gibt ein Museum. Unweit davon eine Cachaçeria (Schnaps aus Zuckerrohr) – das Weber-Haus war etwas gefährlich für Autofahrer…

Weil ich in Gramado eine so nette Familie kennengerlernt hatte, schlief ich erneut dort, um dann von da aus wieder in die Berge zu ziehen.

Weitere Bilder hier… oder über den bekannten Link unter dem Ordner IVOTI.

14. – 16.08.2022

Die Reise setzt sich fort und es geht weiter in den Süden. So komme ich über Canela nach Gramado. Schon der Weg war wieder einmal das Ziel, denn nun fahre ich doch noch die Serpentinen hinab aus der Serra do Rio do Rastro und verlasse so langsam den Bundesstaat Santa Catarina.

Nicht jedoch ohne zuvor noch einen Wasserfall in Bom Jardim da Serra besucht zu haben. Die Cascata da Barrinha ist noch ein schönes Abschiedsfoto wert.

Ziemlich abseits von Gramado finde ich eine Unterkunft mit Charme. Hier schauen Bisa und Christian nach ihren Gästen und machen den Aufenthalt wirklich unvergesslich. Bisa hat ein kleines Gewerbe, die Pension haben sie erst seit ein paar Monaten eröffnet, denn es stellen sich immer mehr Pilgerer ein, die ein einfaches bezahlbares Quartier suchen. Sie pilgern den Caminho de Caravaggio entlang. Ich bin ihr erster “Ausländer” und sie sind super gastfreundlich, laden mich zum Abendessen ein, bieten mir an, dort auch zu frühstücken und sind auch sonst total hilfsbereit und herzlich. Ich verlängere meinen Aufenthalt und bleibe für zwei Nächte, da ich ohnehin den ersten Tag fast nur dazu brauchte, um von Santa Catarina nach Rio Grande do Sul zu gelangen. Da reichte es am Spätnachmittag nur noch für einen kleinen Spaziergang in der Umgegend der Pension.

Gramado und Canela werden von den Brasilianern gepriesen, doch ich empfinde es als extrem überdreht und voller Besucher, die in teuren Boutiquen viel Geld ausgeben, in Vergnügungsparks noch mehr Geld lassen und ich weiß nicht so recht, was hier so toll sein soll. Geschichtlich ist es jedoch eine interessante Gegend, denn sehr viele italienische und deutsche Einwanderer fanden hier eine neue Heimat. Ein sehr beeindruckender Wasserfall entschädigt mich dann doch noch, denn die Gegend ist landschaftlich wirklich sehr reizvoll, fast alpin oder zumindest almtauglich…

Cascata do Caracol

Von Gramado aus erkunde ich noch das Nova Petrópolis, ebenfalls ein Ort vorwiegend deutscher Einwanderer. Heute hat man ein kleines “Einwandererdorf nachgestellt, um die sehr frühe Einwanderungsgeschichte in Fachwerkhäusern erlebbar zu machen. Das ist ganz interessant und nett gemacht.

Aldeia dos Imigrantes

An und zu den Häusern wird ganz gut beschrieben, was man da so sieht. Ein größeres Museumsgebäude ist dann eher enttäuschend, weil man dort wenig erzählt, sondern nur alles abgestellt hat, was aus der Zeit stammt und mit den deutschen Einwanderern verbunden ist. In einem weiteren kleinen Häuschen wird dann hingegen die Geschichte der Genossenschaften und auch der Kopf des brasilianischen Ablegers sehr gut dargestellt. Man erfährt, dass das durchaus nicht so einfach war, eine Genossenschaft zu gründen. Diese ist ja, wie wir für Entre Rios erfahren haben, ein Garant für ein erfolgreiches Wirtschaften. In Deutschland ist das das Raiffeisen-Konzept, heute noch aktuell und nicht nur durch die Banken bekannt. Die hiesige Raiffeisen-Bank heißt Sicredi.

Maibaum von Nova Petrópolis

Von Gramado aus reise ich am 16.08. weiter Richtung Süden – in Richtung Neu-Hamburg, was ich allerdings nicht besuchen will, weil es mir zu riesig ist. Kurz bevor man dort ankommt, geht es nach Ivoti. Die deutschen Einwanderer kamen im 19. Jahrhundert vor allem aus dem Hunsrück hierher und so ist auch heute noch ein starker deutscher Einfluss zu spüren und auch der Dialekt lebt noch fort bei den Nachkommen in oft 5. oder 6. Generation. Ich besuche eine Schule und Hochschule – das Instituto Ivoti, wo man theoretisch vom Kindergarten bis zum Hochschulabschluss alles absolvieren kann. Die Hochschulabschlüsse sind aber eher mit einer pädagogischen Hochschule vergleichbar. Es können Abschlüsse vor allem in Pädagogik und Lehramt erworben werden. 

Für eine eventuelle Zusammenarbeit mit Jena treffe ich mich am 17.08. noch mit dem Rektor, nachdem ich am Vortag die Schule und die Hochschule kennengelernt hatte.

Auf meinem Rückweg wieder in Richtung Norden, mache ich noch einmal Halt bei Bisa und Christian und rolle dann noch einmal in die Berge, denn die großen Städte irritieren mich eher…

12. und 13.08.2022

Die nächsten beiden Tage waren dem Nationalpark um Bom Jardim da Serra, in Santa Catarina vorbehalten. Ich war auf der Suche nach dem Canion das Laranjeiras, einem Naturwunder der besonderen Art, allerdings auf Privatgelände und nicht ganz einfach zu erreichen. Da ich am Freitag dann etwas zu spät den letzten Bauernhof vor dem Zugang – der noch einmal 3 km umfasste – erreichte, musste ich am Samstag noch einen zweiten Anlauf nehmen. Ich war schon einige Kilometer unterwegs und wäre am Canion das Laranjeiras zu spät angekommen. Doch der Weg war eine schöne Wanderung am Freitag nach der langen Fahrt von Joabaça. Für die nächsten Nächte wartete eine Farm Invernada Grande, die sehr einfach, aber idyllisch gelegen, am Rio Pelota liegt.

Es wurde abends noch ein Feuerchen gemacht, aber das Holz war zu feucht und so versuchte ich mit zwei Hosen drei Pullis und vier Decken die Kälte zu bezwingen… nicht ganz so einfach. Es wartete aber ein schöner heißer Kaffee am nächsten Morgen und wenn die Sonne rauskommt, werden es bis zu 17-18 Grad, fast schon Wetter für kurze Hosen :).

Nun schaut, was ich eigentlich gesucht hatte:

Canion das Laranjeiras

Die Größe und Würde dieses magischen Ortes sind kaum einzufangen, auch ist die Zeit für Fotos am Morgen und am Abend sicher am tollsten, doch abends hast du keine Chance, ohne Knochenbrüche zurückzukommen und auch morgens müsstest du dann los, wenn das Licht am besten ist und kommst an, wenn es schon wieder nicht mehr so toll ist. Gerne würde ich noch einmal zurückkommen… nachdem ich einmal fast (am Freitag) und gegen 11:30 am Samstag dann ausgiebig dort gewesen bin. Nur wenige Brasilianer machen sich auf die recht anstrengende Reise.

Vorsicht beim Überqueren 🙂

Am Freitag hatte ich vom vorletzten Bauernhof drei Hunde mitgenommen, die die 7 km mit mir gewandert sind. Das war lustig.

Ein Vollmond am Abend und herrliches Licht am Morgen entschädigen etwas für die Kälte. Weiter geht es dann am Sonntag in den nächsten und südlichsten Bundesstaat Rio Grande do Sul.

Samstagmorgen aus der Herberge von Alex

Vom Canyon (auf Portugiesisch Canion) – Bergpanorama – habe ich euch noch viele Fotos verlinkt… sie sind einen Klick wert.

Als Abschluss fuhr ich noch an einen Aussichtspunkt zur Serra do Rio do Rastro, sah sie und freute mich, dass ich die im Bild gezeigte Straße heute nicht mehr fahren muss.

11.08.2022

Heute startete meine Reise durch das Land… vorgenommen habe ich mir 7000 km… mal sehen, ob ich das durchhalte. Zunächst ging es Richtung Süden durch das Inland, denn zurück möchte ich dann einen großen Teil entlang der Küste reisen.

Schon der Weg war das Ziel, auch wenn ich Dreizehnlinden – Treze Tílias besuchen wollte. Immer wieder hielt ich an, um ein paar Fotos zu machen.

Ukrainische katholische Kirche in Arcanjo

Vorbei an Stauseen und Feldern…

Ziel jedoch war die oben genannte Siedlung der Österreicher, die 1933 hier angekommen waren. Im Gegensatz zu Entre Rios kamen zunächst nur 84 Leute …

und bauten ihr kleines Tirol inmitten des Bundesstaates Santa Catarina, wo einst auch 1824 schon die ersten deutschen Einwanderer ankamen, allerdings weit weit entfernt in der Nähe der Hauptstadt Florianopolis. Im Ort informiert ein Museum über den Mann, der das ermöglicht hatte und es werden typische Artefakte gezeigt, die die Tiroler mitbrachten.

Andreas Thaler hatte diese Gegend für seine Landsleute ausgesucht, weil es bergig ist und die Temperaturen vergleichbar waren.

Thalers Wohnhaus – heute Museum

Über die Dinge, die mir unterwegs vor die Linse laufen, informiere ich (visuell) im neuen Ordner Road Trip und über Treze Tílias wieder in einem anderen / eigenen Ordner.

08.08.-10.08.2022

Weiterhin viel Regen und immer kältere Temperaturen (innen und außen)… das lähmt etwas. 

Ich hatte noch das Glück, die große Agrária / Genossenschaft mal von innen kennenzulernen. Die Bilder werden dem Ordner Vitória / Entre Rios zugeordnet.

Um Entre Rios nach und nach etwas genauer zu beschreiben, habe ich eine Unterseite begonnen, wo man sich über die Donauschwaben besser informieren kann. Ich habe sehr viele Leute interviewt und fasse das in kleinen Schritten zusammen. 

Die sogenannten Pioniere (die Einwanderer der ersten und auch schon der zweiten Generation) hatten mich am Dienstag zu ihrem Schlachtfest eingeladen. Das war toll, denn ich konnte einige Leute der ersten Stunde befragen und sie konnten ihre Geschichten zum Besten geben.

24.07. – 07.08.2022

Das Wasser stürzt zurzeit nicht nur die Wasserfälle hinab, sondern auch vom Himmel. Die Schule hat mich zeitlich auch sehr im Griff, sodass es von keinen großen Reiseabenteuern zu berichten gilt, aber auch hier in Entre Rios wird es nicht langweilig.

4.8.2022

Die Schüler des Colégio Imperatriz Dona Leopoldina aus Entre Rios schlagen sich und die Gegner aus Guarapuava überragend und es herrscht eine fantastische Stimmung beim Handballturnier.

31.07.2022

Ein riesiges Traktorfest, an dem sich das Wetter noch einmal von seiner besten Seite zeigte und so den Tag zu einem fröhlich – sonnigen Ereignis machte. Für Groß und Klein gab es reichlich Unterhaltung und natürlich auch ausreichend Nahrung. Das Video versucht ein wenig die Stimmung aufzufangen:

Harald aus der 8. Klasse hat mir ein bisschen über seine Schule erzählt und ein interessantes Geschichtsprojekt zur Einwanderung der Deutschen seit dem 19. Jahrhundert floss ebenso in verschiedene Interviews ein. Ein riesiges Dankeschön an die Schüler und Schülerinnen und die vielen Leute, die mir hier helfen, die Geschichte der Donauschwaben nachzuvollziehen.

Hierzu folgen noch ein paar Videos…

Bilder über den Link im Text oder dann wie üblich im Ordner WEITERE BILDER, dann auf Brasilien, Entre Rios …

23.07.2022

An Wasserfällen und Sonnenuntergängen mangelt es nicht und so ging es heute nach Socorro, auf die Suche nach einem gut versteckten Wasserfall, der aus 40 m in die Tiefe stürzte. Ist nicht so leicht einzufangen…

Wofür diese Gegend berühmt werden könnte, wenn alle diese wundervollen Minuten so lieben würden wie ich, sind die Sonnenuntergänge:

18.07.-22.07.2022

Die Schule begann am 18.07.2022, die Schüler kommen aus den “Winterferien”, für uns natürlich ungewöhnlich, weil zeitgleich in Thüringen der erste Sommerferientag die Flughäfen an ihre Belastungsgrenze bringt. Ich lerne meine Schule etwas genauer kennen. 2019 konnte ich schon einmal einen kleinen Blick auf sie werfen, doch jetzt habe ich die Chance, mal tiefer einzutauchen. Die erste Woche liegt jetzt hinter mir und was sich mit bietet ist eine sehr schön gelegene Schule, die vom Kindergarten bis zum Abitur führt. Die Klassenstärke wünschte sich manche Schule in Deutschland und auch die Ausstattung liegt weit über dem Durchschnitt der meisten Schule, sowohl in Deutschland als auch in Brasilien, wo nicht eine staatliche Schule nur annähernd an Niveau und Ausstattung herankommt. Gerade erst eingeweiht zwei Labore, eines für Physik und eines für Biologie. Das Chemielabor habe ich schon 2019  bewundert. Die Klassenstärke ist traumhaft und wird für den Deutschunterricht sogar nochmals geteilt, sodass ich Gruppen um die 8-10 Schülern in Deutsch antraf. Ich werde in den Klassen 6, 7, 10 und 11 unterrichten und zwei Workshops für die DeutschlehrerInnen anbieten. So wird die nächste Woche viel zu tun sein. Die Klasse 8 bereitet ein sehr interessantes Thema vor und wenn ich Glück habe, überrede ich sie zu einem Interview und kann die Ergebnisse aufzeichnen.

Einige Unternehmungen führten erneut nach Guarapuava, eine Stadt mit sehr vielen grünen Oasen, von denen ich ja schon den Parque das Aracáurias vorgestellt hatte und wo wir am Donnerstagnachmittag den Grund für den Beinamen “Cidade dos Lagos” erkundeten und ich auch die Kathedrale mal etwas näher beleuchten konnte.

Am Freitag nach der Arbeit ging es in Familie zu den Wasserfällen in der Nähe von Jordãozinho, meinem Wohnort. Ein wunderschöner Feierabendausflug.

Ich habe die Wasserfallfotos im Ordner Entre Rios/ Jordãozinho gespeichert und die neuen Fotos aus Guarapuava im gleichnamigen Ordner. Viel Spaß!

12.07-17.07.2022

Die letzten Tage der hiesigen Ferien verbrachten wir damit, Dorf für Dorf die Colônia von Entre Rios kennenzulernen. Diese Touren habe ich immer mit Matheus unternommen. Wie bereits angedeutet, besteht Entre Rios aus fünf Dörfern, die neben dem ursprünglichen Namen des Gehöfts, welches die Siedler schon vorfanden, benannt wurde und zusätzlich noch eine Ordnungszahl erhält, die sich nach der Reihenfolge der Besiedlung richtet, denn die 500 Familien kamen nicht alle auf einmal an. Die ersten 221 Personen kamen am 6.6.1951 in Vitória an, dem ersten Dorf, wo auch heute das Zentrum ist, sich eine Bank befindet, zwei Supermärkte und auch die deutsch-brasilianische Schule, an der ich ab Montag (18.07.2022) arbeiten werde. Die “Flüchtlinge”, denn so könnte man sie ja auch nennen, kamen mit insgesamt 7 Schiffen nach Brasilien.

Aus jedem Dorf oder seiner Umgebung folgen jetzt noch einmal Namen und einige Bilder:

Vitória – das erste Dort

Im Hintergrund Matheus, der mir geduldig die Gegend zeigt und an manchen landschaftlich wunderschönen Ort führt.

Kulturzentrum und Heimatmuseum zum Erntedankfest

Jordãozinho – das zweite Dorf

Cachoeira – das dritte Dorf

Die evangelisch-lutherische Kirche
Die katholische Kirche
Brauhaus und Kneipe

Socorro – das vierte Dorf

Einsame Kirche

Weite Felder ringsum
Menschenleere, autofreie Straßen
Einsame Araukarie

Samambaia – das fünfte Dorf

Der geduldige Matheus – mein Reiseleiter

Wer noch Lust hat auf weitere Informationen zu den Dörfern, der kann sie hier finden oder wie immer unter WEITERE BILDER. Alle fünf Dörfer ergeben ENTRE RIOS, wie auch der Gesamtordner benannt ist. 

11.07.2022

Mit Camila, Bruno, Simone und Matheus fahren wir in die Distrikthauptstadt Guarapuava, um mitten in der Stadt im Urwald zu versinken und noch ein leckeres Eis zu essen.

Parque Araucárias

In einem wunderschönen ökologischen Park stehen riesige Araukarien und hunderte andere Bäume, deren Namen ich noch nie gehört habe.

Jedes Land lässt mir einen besonderen Baum in der Erinnerung zurück 🙂

Im Brasilienordner (Weitere Bilder) gibt es einen neuen Ordner zur Stadt Guarapuava

Um euch Entre Rios vorstellen zu können, werde ich in den nächsten Tagen alle Dörfer besuchen und ein paar Eindrücke sammeln. Das Wetter scheint sich aber gerade wirklich winterlich umzustellen… es wird immer kälter und Regen nimmt zu… also kann sich das Projekt auch ein bisschen ziehen.

07.-10.07.2022

Die Rückreise führt wieder über Curitiba, was ich am Anreisetag nur im Vorbeifahren und im Überflug erlebte. Riesiger Mercado Municipal mit einigen Produkten aus Portugal, die mein Herz erfreuen.

Wir kommen sehr spät nach Entre Rios im Bundesstaat Paraná zurück, ich beziehe mein Zimmerchen, was mir Matheus extra geräumt hat und ins Zimmer zu seinem Bruder Bruno gezogen ist. 2019 war ich ganz kurz in Entre Rios und verlinke euch hier eine kleine Präsentation aus diesem Jahr.

Die nächsten Tage trudelt so jeder ein und aus. Nur Marcelo muss auf Arbeit. Ich melde mich im Nachbardorf in einem kleinen familiären Fitnessstudio an und nehme mein Lauftraining wieder auf. Wir sind bei Simones Schwester zu Besuch und ich tauche so langsam ein in meine Heimat für die nächsten Wochen.

Ein riesige Genossenschaft (Agraria), die den größten Gersteproduzenten Südamerikas zusammenhält, bildet das Kernstück der 5 Dörfer, über die in den nächsten Wochen viel zu erfahren sein wird. Hier ein paar romantische Ausblicke, die jeden Abend auf mich warten, wenn die Sonne untergeht.

05.-06.07.2022

Die Reise geht weiter in einen neuen Bundesstaat, von Paraná reisen wir nach Santa Catarina auf den Spuren der ersten Siedler aus Deutschland. Viele kamen aus Pommern und rodeten erst einmal große Flächen, um eine Landwirtschaft zu begründen und Siedlungen zu bauen… darum der Name “Pommern” und “roden” – Pomerode, ein wirklich schönes Fleckchen Brasilien, in dem 90 Prozent der Leute noch deutsche Vorfahren haben. Zunächst einige Eindrücke der landschaftlich reizvollen Anreise. Als Hobbyfotograf nerve ich meine brasilianische Familie wahrscheinlich sehr… Es muss oft angehalten werden …

Anreise inklusive Fährfahrt

Ich bin überwältigt von der wunderbaren Landschaft und tatsächlich ist mir meine Gastfamilie nicht böse, dass wir ab und an stoppen…

Hier schon ein erstes Willkommenstor deutscher Aussiedler aus dem 19. Jahrhundert.

Doch unser Ziel ist ja Pomerode, sodass wir in Jaraguá do Sul nicht Halt machen.

Pomerode wartet auch mit einem solchen Bogen auf… es erinnert mich an die ostfriesische Tradition … sehr nett 🙂

Meine Gastfamilie für die ersten 5 Wochen ist Familie Scherer-Tomkiv. Simone ist in dritter Generation einer Aussiedlerfamilie, die aus Donauschwaben im Jahr 1951 nach Paraná – Entre Rios – gekommen ist. Ich werde von dieser deutschen Kolonie noch ausführlich berichten, wenn wir dort angekommen sind und ich nach und nach alle fünf Dörfer dieser Siedlung besucht haben werde und an der deutschen Schule begonnen haben werde zu unterrichten.

In Pomerode ist:

Deutsch ist tatsächlich überall präsent… und wird auch noch viel gesprochen. Wir erkunden zunächst den Ort zu Fuß und besuchen dann später noch eine Schokoladenfabrik, der meistprämierten Schokolade Brasiliens… ein Traum der lukullischen Art… Charly and the Chocolate Factory kommt mir in den Sinn… 

Der Weg dahin durch ein wunderschönes Tal, vorbei am Kekshaus, am Strutzhaus und an vielen Fachwerkhäusern. Hier nutzt(e) man noch:

…weshalb die Straße auch Fachwerkstraße genannt wird. Wir lernen viel über Schokolade, aber das Beste ist dann doch die Verkostung von reiner Schokoladenmasse (100 Prozent Kakao uuuhhhh wie bitter) bis hin zu zuckerfreier und weißer Schokolade… alles eine große Freude und auch noch der chemisch-biologische Beweis, dass Schokolade glücklich und fröhlich macht und sehr gesund ist 🙂

Dank sei dem Kakao und auch wir gehen an diesem Abend sehr glücklich schlafen …

Am nächsten Tag wollen wir uns das im Ausland besser bekannte Blumenau noch ansehen, sind aber insgesamt etwas enttäuscht, wahrscheinlich auch weil das kleine Pomerode übersichtlicher und dadurch wesentlich gemütlicher war. Blumenau ist von einem deutschen Apotheker in der Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet worden und hat heute über 360.000 Einwohner … also doch recht groß. Hier findet das weltweit zweitgrößte Oktoberfest außerhalb der Wiesn in München statt. Wir fahren also mal auf die brasilianische Wiesn und es mutet alles schon recht kitschig an. Das typische Bild des Deutschen im Ausland, Maßkrug, dicker Bierbauch, Lederhose und Dirndl…

Beeindruckend war das Bierangebot, hunderte Sorten… 

Viele deutsche Städte tauchen auf, ob als Name einer Zementfabrik oder eines Einkaufszentrums oder einer Referenz an mein geliebtes Wilhelmshaven.

Das Fachwerk, was man hier sieht, ist selten echtes Fachwerk, dennoch ist es erstaunlich, die deutsche Bauweise im fernen Brasilien zu erleben. Die Stadtverwaltung, mit einem “deutschen” Bürgermeister sieht so aus:

Dieses Haus könnte auch in Hessen stehen:

Visuelles aus “deutschen Landen” findet ihr hier, weiterhin separat zur Anreise alles in einem Extraordner und wie gewohnt im Gesamtordner Brasilien unter “Weitere Bilder”.

04.07.2022

Die Sonne lässt sich Zeit, wir begeben uns mit Sonnenschirm und Stühlen an den Strand, aber aus dem Morgennebel wird ein Tagesnebel und wir warten vergebens auf die günstige Gelegenheit, ein Bad zu nehmen… sie sollte an diesem Tag nicht kommen und so geht keiner ins Wasser… trotzdem tut die Seeluft gut und wir beobachten die Fischer und gönnen uns am Abend ein zweites schönes Essen in einer Pizzeria mit eigener Brauerei, ein witzige Kombi…

03.07.2022

Ilha do Mel – wir nehmen ein Boot auf die Insel und verbringen dort den ganzen Tag. Die Portugiesen unter Pedro II kontrollieren von dieser Insel aus den wichtigen Hafen (am Festland) von Paranaguá.

Die Insel weist keine großen Honigvorkommen auf, ist aber ein wunderbarer Ankommensort für mich. Es gibt einen alten Leuchtturm, eine Festung, wunderschöne kleine Pensionen und Cafés, die alle verschlafen und wenig bevölkert sind, denn es ist Winter und den meisten Brasilianern ist es bei 26 Grad viel zu kalt.

Ich bin mit Simone der einzige Badegast… und nach dem ersten Schreck ist das Wasser gar nicht so kalt.

Einer der längsten und breitesten Strände streckt sich kilometerweit vom Ankunftshafen bis zur Festung. Wir legen an diesem Tag ungefähr 15 km zurück und erkunden die Insel. Mir stecken die beiden Anreisetage noch in den Knochen und durch meinen Wandertag auf dem Flughafen schleppe ich mich eher über die Insel, werde aber mit wunderschönen Aussichten entschädigt.

Ob zu Wasser oder auf dem Land oder in der Luft – überall heißt mich dieses Land willkommen und ich freue mich auf die nächsten drei Monate.

Wer Lust hat, sich die Insel noch etwas genauer anzusehen, kann mal auf diesen Link klicken oder wie gewohnt den Ordner “Weitere Bilder” besuchen.

01. und 02.07.2022

Jena verlasse ich, als es sich dort langsam wieder abgekühlt hatte bei nasskalten 20 Grad. Die Zugreise ist relativ unbeschwert, wenngleich die 9-Euro-Züge natürlich recht voll sind.

Um 22 Uhr soll es von Frankfurt aus losgehen. Am Flughafen jedoch warten Schlangen vor der Sicherheitskontrolle, die sich mehrere 100 Meter hinziehen und ich bin froh, dass ich mein Gepäck einfach so auf ein Förderband legen konnte, dass sich nur unweit der Zugankunftshalle befand und ich so ca. 2 3/4 Zeit hatte, mich dort anzustellen. Das Ganze zog sich dann auch über 2 Stunden hin und so näher man rückt, desto nervöser wird man, ob es wohl noch reicht, den Flieger zu erreichen. Viele haben ihn definitiv nicht erreicht, denn oft werden 2 Stunden vor dem Abflug empfohlen, die hier nicht ausgereicht haben. Von 10 Abfertigungsschaltern waren gerade einmal vier geöffnet und es ging extrem schleppend voran. Zeit, um Menschen zu beobachten, viele Nationalitäten, viele Sprachen und sehr unterschiedliche Reaktionen auch der Leute, die wie ich häufig gebeten worden, doch jemanden vorzulassen… sehr interessant und wie mir ein Mitarbeiter erzählte auch ein Aggressionsherd…

Ich komme also noch rechtzeitig zu meinem Gate, fliege ca. 12 Stunden bis nach São Paulo und muss von dort noch eine weitere Stunde nach Curitiba fliegen. Gepäck muss leider erneut eingecheckt werden, ein Riesenaufwand für wenig Zeit zum Umsteigen… ich stehe also am Band und warte auf meine Kraxe, warte und warte und warte… irgendwann kommt einfach nichts mehr und ich bin schon in großer Zeitnot. Mir bleiben gerade noch 45 Minuten bis zum Boarding und wie gesagt, ich muss noch durch die Sicherheitskontrolle, die natürlich auch nicht in 2 Minuten erledigt ist. Ich renne also ohne meinen Rucksack los und hoffe darauf, dass man mir das Gepäck nachschickt.

Am Gate angekommen, total abgehetzt und um diese frühe Stunde auch noch nicht wirklich wach, meint eine Flughafenmitarbeiterin am Schalter zum Flieger nach Curitiba, wenn mein Gepäck nicht dabei sei, müsse ich mich in SP darum kümmern, sonst bliebe das hier und es werde auf keinen Fall nachgeschickt. Zwei Stunden später erfahre ich, dass das nicht stimmte, aber mein Flug nach Curitiba ist somit ohne mich aufgebrochen und ich bin ziemlich verzweifelt. Jetzt geht eine Suchaktion los in einem sehr komplexen riesigen Gebilde aus nicht nachvollziehbaren Umwegen von einem Terminal zum nächsten und jeden den du fragst, schickt dich wieder in eine andere Richtung. Ich wandere gern und viel und mit meiner Schwester hab ich bis zu 42 km an einem Tag geschafft ohne große Blessuren. In zwei Stunden Flughafen São Paulo schaffe ich es, mir Blasen zu laufen und sehne mich eigentlich nur nach einem Bett, doch ich muss ja jemanden finden, der für die Lufthansa die verlorenen Gepäckstücke auftreibt.

Hinter Türen, die versteckt und unscheinbar nur dem Personal zugänglich sind, finde ich eine von zwei Anlaufstellen, doch es ist die falsche… irgendwann begegne ich einem Mitarbeiter in einem langen dunklen Flur und dieser stellt sich als sehr hilfsbereiter Glückstreffer heraus. Er arbeitet für die Lufthansa, nimmt mich mit zum Büro, startet die Suche nach meinem Rucksack, ortet ihn und bittet mich gegen halb zehn noch einmal zu kommen. Das sind zwar 2,5 Stunden, aber ich bin schon einmal froh, dass mein Gepäck nicht im Chaos von Frankfurt verschwunden ist, sondern doch hier angekommen ist, aber nicht aufs Gepäckband gelegt wurde und ich deshalb vergeblich darauf wartete.

Ich finde ein Starbucks, später ein etwas günstigeres Café, welches zu dieser frühen Stunde geöffnet war und überlege nun, wie es weitergeht. Meine “Familie” hatte ich bereits informiert, dass sie nicht am Flughafen auf mich warten bräuchten und ich auch noch nicht sagen könne, wann ich in Curitiba sein werde. Zum Glück gibt es einige Optionen über den Tag verteilt, aber noch weiß ich ja nicht, wann ich mein Gepäckstück erhalten kann, denn es hieß, es käme erst gegen 11 Uhr aus dem Zoll.

Um 9:30 Uhr geht dann aber alles viel schneller und unkomplizierter, denn ich kann schon gegen 10:00 Uhr mein Gepäck bekommen und ein weiterer sehr freundlicher Mitarbeiter nimmt mich überallhin mit und checkt mein Gepäck für einen neuen Flug mit mir ein. Ich bin sehr erleichtert, auch weil ich nicht nochmal den Flug zahlen muss und ich schon gegen 14 Uhr in Curitiba sein werde. Das bedeutet auch für die Wartenden am Ankunftsort eine nicht zu lange Wartezeit, die sich einen schönen Vormittag in der Stadt machte und gar nicht so böse war, mal Zeit in der Stadt zu haben.

Wir fahren dann so gegen 15 Uhr los, um an die Küste zu gelangen, wo wir einige Tage zusammen verbringen wollen. Auf der oben abgebildeten Karte sieht man die Ilha do Mel (Honiginsel), die wir am Sonntag besuchen wollen. Das Quartier “Paraiso do Sol” liegt unweit von Shangrila, was ihr auf der Karte auch sehen könnt.